Grünes Dorf
Josef Gill will eine neuartige Siedlung mit Mini-Häusern in Karlskron bauen – Gemeinderat sagt Nein
Er hat alles bis ins Detail geplant. Josef Gill steht am Rande seines 14 000 Quadratmeter
großen Grundstücks in Karlskron (Landkreis Neuburg-Schrobenhausen)
und erklärt, wie es dort einmal aussehen könnte. Noch ist alles nur Wiese. Aber ginge es nach ihm, würde hier bald eine neuartige, autarke Siedlung entstehen: das „Green Village“.
Hier würde Josef Gill gerne sein „Green Village“ bauen: Laut Plan umfasst es 35 Wohneinheiten in vier verschiedenen Größen und ein Gemeinschaftshaus.
Ein Dorfhaus mit Supermarkt und Sozialräumen
In der Wohnanlage soll Gill zufolge auch ein Gemeinschaftshaus
mit kleinem Supermarkt,
Seminar- sowie Sozialräumen entstehen, wo Kinderbetreuung
oder Sportkurse angeboten werden. „Die Bewohner, Jung und Alt, sollen zusammen-kommen und sich austauschen können“.
Gill wolle eine Alternative zu teuren Bauplatzpreisen bieten, indem er Kosten für Bürokratie einspare, wie er sagt.
„Denn viele junge Familien können sich die hohen Quadratmeterpreise nicht mehr leisten. Oder sie verschulden sich hoch.“ Gills Bauplan, den er mit einer Ulmer Architektin entworfen hat, sieht 35 energieeffiziente Mini-Häuser vor, die 55, 70, 85 oder 100Quadratmeter groß sind. Sie haben einen Gartenanteil, einen Carport
und einen Parkplatz und kosten je nach Größe zwischen 250 000 und 315 000 Euro. Hinzu kommt noch eine einheitliche, monatliche Erbpacht von 285 Euro plus 15 Euro Servicegebühr für die Pflege von Grün und
Außenflächen, Straßen oder dem Spielplatz.
Was zeichnet "Green Village" aus?
Was macht das Wohnkonzept attraktiv und lebenswert?
- Durchdachtes Wohnkonzept für alle Generationen
- Sozialgebunden zu 95 %
- Verkehrsberuhigtes Leben und Wohnen im ländlichen Bereich
- Verschiedene Wohnkonzepte – Miete – Eigentum auf Zeit – Erbpacht - Mietkauf
- Siedlung trägt dem demographischen Wandel voll Rechnung
- Sozial orientierte, gebundene Mietpreise auf Dauer
- Soziale Gerechtigkeit für alle
- Mehrgenerations – Wohneinheiten - bezahlbar
- Würdiges, selbstbestimmtes Wohnen im Alter
- Planbare, transparente, überschaubare Kosten für alle
- Rollstuhlgerechte, barrierefreie Straßen, Wege und Plätze
- Service- und Dienstleistungsangebote „ Gesundheit und Leben“
- Dorfzentrum mit Unterhaltung – und Treffpunktmöglichkeiten
- Nahversorgung auf dem eigenen Gelände (Supermarkt, etc)
- Gruppen – und Vereinsräume für alle (Generationstreffpunkte)
- Betreuung für Gesundheit 24 h und 7 Tage die Woche
- Servicepakete für Wohnung, Haus und Garten
- Keine Investoren und Spekulationsmodelle vorhanden – gedeckelte Preise
- Nachhaltig, Ressourcenschonend, kein Leerstand zu erwarten
- Familiengeführte Organisation für alle Belange im Siedlungs-Betreuungs- und Wohnbereich
- Entlastung der Kommune für Sozialwohnungen – falls gewünscht
Rund um die Wohneinheiten gibt es keine Zäune. „Wir haben fließende Grenzen.“ Die einzelnen Häuser und Wohnungen sollen
den Bewohnern entsprechend angepasst sein: Ändert sich die familiäre Situation, etwa wenn ein zweites Kind zur Welt kommt, soll der Wechsel in ein größeres Haus möglich sein. „In der Siedlung soll der Wohnraum
weitergetauscht und gegengerechnet oder ausgebaut werden können“, ist im schriftlichen Entwurf des
„Green Village“ zu lesen. Ebenso soll auch rückwärts getauscht werden können! Weiter ist auf dem Gelände ein Nahwärmenetz mit Hackschnitzel-Kraftwerk sowie eine
Photovoltaikanlage samt Industriespeicher geplant. Strom und Wärme will Gill den Bewohnern über eine „Flatrate“ anbieten. Das Management der ungewöhnlichen Neubausiedlung würde die eigens dafür gegründete Familienstiftung übernehmen. Bei einem ersten Termin im Bürgermeisteramt war man Feuer und Flamme für dieses interessante Wohnprojekt! Dies wurde auch aus dem nachgeschaltetem Bauausschuss der Gemeinde so signalisiert. Aber: Nach einer Prüfung, bei der auch das Bauamt des Landratsamts Neuburg-Schrobenhausen miteinbezogen war, lehnte der Gemeinderat
Gills Wiese als Baugebiet und damit gleichzeitig das „Green Village“ ab. „Zum einen halten wir die Lage für so ein Projekt für nicht geeignet“, sagt Bürgermeister Stefan Kumpf auf Anfrage. Das Gebiet im Ortsteil Grillheim sei lediglich über schlechte, schmale Straßen erreichbar und die Anbindung an Einkaufsmöglichkeiten und
den öffentlichen Nahverkehr schwierig. Zum anderen gebe es feste Regeln für die Erschließung eines Baugebiets. „Und wir können diesen Pfad nicht einfach so verlassen.“ Gill lehnte diese Stellungnahme Bauamt ab und antwortete auf alle Punkte mit einer Gegendarstellung.
Katastrophenschutz
- Katastrophenschutzraum für alle Bewohner und Teile Grillheims vorhanden
- Lebensmittelvorsorge für 8 – 10 Tage gewährleistet
- Kein Stromausfall möglich (Eigenversorgung)
- Kein Heizungs- oder Warmwasserausfall möglich (Eigenversorgung)
- Schwammsiedlung – kann Starkregenereignisse abfedern (entlastet Hochwassersituation)
- Not - Beleuchtung im Außenbereich, Straße, Plätze usw. gewährleistet
- Einsatzzentrale für Katastrophenhelfer kann gestellt werden
Bauzeit und Realisierung
- Ab Freigabe Kommune – Planungszeit max. 3 Monate
- Ab Erteilung Baugenehmigung max. 12 Monate – einzugsfertig
Voraussetzung
Anwendung des Bauturbos für die Flurnummern 672 und 673 Gemarkung Karlskron. Dazu ist eine Rücknahme /Änderung des Gemeinderatsbeschlusses vom 25.11.2025 notwendig. Bei der Besprechung mit TB – Markert in Nürnberg (beratende Stadtplaner für Landratsamt und Kommunen zum Bauturbo) kann man sich durchaus vorstellen, auf dem Gelände der Familienstiftung Gill den Bauturbo entsprechend anzuwenden. Stiftungsliegenschaften sind wie kirchliche Liegenschaften zu behandeln Zumal auf dem Gelände ein Baurecht seitens Kommune und Landratsamt vorherrscht. (Schreiben vom 06.08.1998)
